Ein Land das es noch gibt

Meine kleine DDR-Zentrale auf dem Hof Hoher Schönberg– und plötzlich war alles wieder da. Die Geschichten, die Gerüche, die Musik und dieser ganz besondere Wahnsinn, den man vermutlich nur versteht, wenn man entweder in der DDR groß geworden ist oder schon einmal eine verrutschte Badehose mit ansehen musste.
Es gab ein bisschen Udo Lindenberg, ein bisschen Nina Hagen, Erinnerungen an Farbfernseher und natürlich Geschichten, die man eigentlich längst vergessen wollte – aber zum Glück nicht vergessen hat.
Es gab Öl-Diebe.
Es gab Badehosen, die ihren vorgesehenen Sitzbereich eigenständig verließen.
Es gab Musik, Erinnerungen und jede Menge Gelächter.
Und mittendrin ich – mit meinem Ossi-Tagebuch und all den kleinen Geschichten aus einem Land, das es offiziell nicht mehr gibt, aber in unseren Köpfen manchmal erstaunlich lebendig geblieben ist.
Das Schönste aber war das Publikum.
Menschen, die zuhörten, lachten, sich erinnerten und plötzlich ihre eigenen Geschichten hervorholten. Da wurde aus meiner DDR-Zentrale für einen Abend eine kleine Zeitmaschine.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diese Geschichten erzähle.
Nicht, um die DDR schönzureden.
Nicht, um sie zu verklären.
Sondern weil hinter den großen politischen Geschichten auch unser ganz normaler Wahnsinn existierte.
Wir hatten Farbfernseher.
Wir hatten West-Pakete.
Wir hatten Nina Hagen.
Wir hatten Udo Lindenberg – irgendwie.
Und wir hatten Badehosen, die offenbar schon damals ihren eigenen politischen Kurs verfolgten.
Hof Hoher Schönberg, was für ein Abend.
Meine DDR-Zentrale bleibt geöffnet.
Denn dieses Land gibt es noch.

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